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JUL
08
2016

Rastanlage oder Autohof Wer macht das Rennen? Marktcheck macht mobil

Rastanlage oder Autohof – wer macht das Rennen?

Quelle: Beitrag aus dem SWR Programm

Urlaubszeit, Autobahnzeit. Viele von uns reisen wieder über die Straßen. Doch wo tankt es sich eigentlich günstiger: Am Rasthof oder am Autohof? Und wie unterscheiden sich Service, Ausstattung und Preise von Autobahn-Rastanlagen und den etwas abseits gelegenen Autohöfen? Das werden wir klären, mit unserem Verkehrsexperten Thorsten Link.

 

Video ‚Rastanlage oder Autohof: Wer macht das Rennen?‘

 

An der Autobahnrastanlage Bruchsal sind die Kraftstoffpreise nicht sofort erkennbar, sondern erst, wenn man eigentlich schon an der Zapfsäule steht, wie an vielen Autobahntankstellen. Abseits der Autobahn, nur 70 Kilometer südlich am Autohof Achern ist Diesel immerhin 18 Cent und Benzin 12 Cent günstiger. Kaum erstaunlich also, dass die Preise direkt an der Autobahn keiner erkennen soll.

Spritpreisvergleich per Smartphone-App

Mit einer Spritpreis-Vergleichs-App finden wir nur drei Kilometer vom Autohof entfernt noch eine freie Tankstelle. Doch nur beim Benzin kann man hier noch etwas sparen. Diesel ist sogar 2 Cent teurer. Der Umweg lohnt sich nicht unbedingt.

Auch an der Autobahnrastanlage Mahlberg vergleichen wir die Preise. Die Ersparnis am nächst gelegenen Autohof Grafenhausen fällt wieder üppig aus: 9 Cent beim Diesel, 8 Cent bei Super.

An einem Supermarkt mit Tankhof in vier Kilometer Entfernung beträgt die Ersparnis zum Autohof noch mal 2 Cent für alle Sorten. Aber läge die Tankstelle mehr als fünf Kilometer vom Autohof weg, hätte der Umweg keinen Preisvorteil.

Allerdings kann sich das Spiel drehen. An unserem Testtag zählen wir an den Tankstellen fünf Preisveränderungen. Das bedeutet, dass für Verbraucher Preisvergleiche Glückssache sind.

Letzte Station. Autobahn-Rastanlage Schauinsland. Auch sie hat den üblichen Autobahn-Aufschlag: Diesel oder Super würde zu diesen Preisen auf der grünen Wiese keiner tanken.

Der nächst gelegene Autohof Bremgarten (Red.: T&R): Überraschenderweise ist der nicht viel günstiger. Ersparnis bei Diesel und Super nur 2 Cent. Das liegt wohl daran, dass es hier weit und breit wenig Konkurrenz gibt.

Freie Tankstelle

Die gibt es zum Beispiel rund 5 Kilometer entfernt. Laut App sollen wir hier 4 Cent pro Liter sparen. Die Freie Tankstelle ist gut versteckt, hinter einer Hecke, ohne jede Werbung. Man findet sie kaum. Und dann: Diesel und Sprit kosten genauso viel wie am Autohof. Der Preistipp: Ein Flop!

 

Fazit: Wer sparen will, sollte Autohöfe abseits der Autobahn nutzen. Sie sind oft günstiger als ihr Ruf. Umwege aufs Land lohnen sich dagegen nur selten.

Kraftstoffkosten sparen, aber wie?

 

Am günstigsten kann man Tanken, wenn es in der Umgebung mehrere Tankstellen gibt, die sich Konkurrenz machen.

Doch die Preise schwanken auch im Tagesverlauf und werden meist mehrmals geändert. Zuverlässig kann man kein Muster festlegen, aber am Morgen sind die Preise oft noch aus der Nacht höher und sinken häufig ab dem Mittag in etwa im Zwei-Stunden-Rhythmus. Am günstigsten ist es dann oft zwischen 18 und 21 Uhr.

Die Kraftstoffpreis-Vergleichs-Apps arbeiten bis auf seltene Ausnahmen zuverlässig. Deren Nutzung und die Fahrt zur – natürlich nahegelegenen – nächsten Tankstelle lohnt meist. Es gibt sogar Apps, bei deren Vorzeigen man an manchen Tankstellen noch 1 Cent Rabatt pro Liter bekommt.

Essen und Trinken an der Autobahn

Gemeinsam mit Johannes Hübner vom AvD wollen wir Außenanlagen, Warenangebot, Gastronomie und natürlich die Sauberkeit von Rastanlagen prüfen

Kinderspielplatz am Rasthof

Unsere erste Station ist die Raststätte Bruchsal West, Fahrtrichtung Süden. Es ist kurz nach 9 Uhr. In der Nacht war hier offenbar viel los, der Müll ist nicht beseitigt. Aber es gibt Spiel- und Freiflächen, eine Außen-Terrasse.

Innen wirkt alles ordentlich und appetitlich. Und die Preise? Um die Anlagen vergleichen zu können, stellen wir einen Warenkorb für unterwegs zusammen: Was gegen den Durst, ein belegtes Brötchen, Cappuccino, was zum Knabbern, eine Packung Tampons. Macht hier zusammen 22,53 Euro, teuer.

Noch ein Blick in den Sanitärbereich: 70 Cent, Sanifair-Tarif. Es ist sauber, aber es gibt zu wenige Kabinen.

Weiter geht es in Richtung Süden. Bei Achern fahren wir runter von der Autobahn zum erste Autohof auf unserer Strecke: Rund um die Uhr offen, Parkflächen für Lkw. Der Betreiber legt offenbar Wert auf Sicherheit: Zebrastreifen, markierte Fußwege. Vorbildlich!

Und es gibt jede Menge Ladestationen für Elektroautos. Das raubt Parkmöglichkeiten. Davon gibt es zu wenig.

Tankshop und Gastronomie sind kleiner als in den meisten Autobahnrasthäusern. Das Angebot ist dennoch gut. Das Restaurant ist etwas teurer als in Bruchsal, aber mit Bedienung. Unser Warenkorb ist hier über 3 Euro preiswerter.

Im Shop entdecken wir jedoch nicht jugendfreie Artikel in Augenhöhe von Kindern, ein Unding. Wir konfrontieren den Betreiber. Ein Interview lehnt er ab, schickt aber eine E-Mail und erklärt, es gäbe „mehrere Rechtsprechungen, die den Verkauf in dieser Form erlauben. Dennoch werde ich über Ihre Idee nachdenken, diese Artikel etwas höher zu platzieren.“

Nach unserem Test hat der Betreiber inzwischen die nicht jugendfreien Artikel umsortiert, so dass sie nicht mehr in Augenhöhe von Kindern liegen.

Nächste Station bei unserem Autobahn-Check: Der Rasthof Mahlberg, bei Offenburg. Hier fällt uns als erstes die gute Beschilderung auf. Das ist nicht überall so. Und eine Höhenmarkierung vermeidet, dass Lkw nachts den Pkw-Bereich dicht machen. Insgesamt wirkt die Anlage sicher und gepflegt.

Große Felsbrocken – Gefahr beim Rangieren

Weniger schön findet unsere Verkehrsexperte die Felsbrocken, die eigentlich verhindern sollen, dass Lkw über Bankette fahren: „Wenn man dann mal rangiert oder nicht aufpasst dann hat man gleich einen erheblichen Schaden. Vor allem weil die Findlingskanten nicht einmal Weiß gestrichen sind. Dass heißt, im Dunkeln sind sie wirklich kaum sichtbar.“

Das Rasthaus innen: Schön, aber auch wieder teuer. Ein kleiner Salat kostet 7 Euro. Das ist dreist. Die Sanitäranlagen sind wieder zu klein und eine Toilette ist auch noch außer Betrieb.

Weiter geht es zu einem Autohof: Abfahrt Kappel-Grafenhausen. Hier gibt es gleich zwei Autohöfe und noch zwei Tankstellen. Das hat wohl was mit dem nahe gelegenen Europapark zu tun.

Der Shell-Autohof ist relativ klein, hat aber viel zu bieten. Vor allem die Gastronomie ist erstaunlich. Das Angebot ist mit das größte in unserem Test. Ein Schnitzel, gibt es schon für 7.99 Euro. Das überzeugt.

Auch die Sanitäranlagen sind gut. Man zahlt zwar einen Euro, der Bon wird aber voll erstattet.

Auf der A5 geht es weiter nach Süden: Autobahnrastanlage Schauinsland West. Auf der Zufahrt gleich mal ein falsch geparkter Lkw – gefährlich, wenn man kurz abgelenkt ist.

Die Beschilderung ist verwirrend. Links abbiegen wird angezeigt, ist aber verboten. An der Fahrbahn fehlen Leitplanken. Nicht auszudenken, wenn hier einer die Kontrolle verliert. Nicht das einzige Problem, wie Johannes Hübner vom AvD feststellt: „Wir erleben es ja immer wieder, dass Leute, weil sie nicht genau orientiert sind, auf die Fahrbahn laufen. Beides müsste unterbunden werden, das ist ein Sicherheitsmanko.“

Ungepflegter Anblick

Die Anlage wirkt insgesamt ungepflegt, überall Stolperfallen. Die wenigen Parkplätze werden teilweise von Mitarbeitern belegt.

Drinnen läuft aus einem Kühlschrank Wasser. Die Rutschgefahr stört hier aber offenbar niemanden. Das Essensangebot schwach, das Pressschnitzel teuer.

Und dann noch dieser Verkaufsstand: Waffen, Pistolen, Messer mit feststehender Klinge, Stahlkugel-Schleudern. Unglaublich! „Es gab alles mögliche Zeug, was generell verboten ist in dieser Form mit sich zu führen und wo nicht einmal ein Hinweis stand, das diese Waren nicht einfach von jedem gekauft werden darf,“ erklärt unser Experte.

Kein Ort, an dem man gerne länger bleibt. Also geht es weiter zum Autohof Bremgarten, 25 Kilometer weiter südlich. Ein Riesengelände, das gerne über Nacht von Reisemobilisten angesteuert wird.

Negativ fällt unser der Kinderspielplatz auf: Völlig lieblos und ausgerechnet dort nicht geschlossen, wo Lkw auf die Parkplätze fahren.

Der Shop ist fast schon ein Supermarkt, groß und preiswert. Unser Warenkorb kostet hier nur knapp 17 Euro, der günstigste im Test.

Innen bietet sich eine Lounge zum Relaxen an und ein Restaurant mit Bedienung und ordentlichem Essen.

WC nur über Treppe erreichbar

Manko: Zu den Sanitäranlagen führt eine Treppe. Mit dem Rollstuhl kommt man hier nicht hoch. Aber die Toiletten sind sauber und vor allem kostenlos.

Unser Fazit: Mehr Licht und Schatten als erwartet. Klare Unterschiede gibt es vor allem bei den Autobahn-Rastanlagen: Voll überzeugt hat uns Mahlberg: Die Anlage ist sicher und gut. Bruchsal leistet sich Schwächen, ist aber noch ok. Schauinsland sollte renoviert werden. Hier passt einfach gar nichts.

Die Autohöfe leisten sich weniger Mängel, liegen dichter beieinander. Achern hat einen leichten Vorsprung. Die Autohöfe Kappel-Grafenhausen und Bremgarten knapp dahinter, gleich auf. Enttäuscht hat uns keiner.

 

Fest steht: Es muss für den Zwischen-Stopp nicht immer die Autobahn-Rastanlage sein. Autohöfe haben in der Regel ein ähnliches Sortiment und preiswerter sind sie meist auch.

Wer mit Kindern unterwegs ist, kann sowohl Rastanlagen an der Autobahn, als auch Autohöfe ansteuern. Beide haben Angebote für Kinder. Die Autobahn-Rastanlagen sind jedoch oft besser ausgestattet mit größeren und schöneren Spielanlagen, nicht nur draußen, sondern auch innen.

Wer sich auf Reisen Zeit für eine Essenspause nimmt, kann sich auch eine Ortschaft in der Nähe suchen und in ein Gasthaus gehen. Oft gibt es da das bessere Essen zum meist günstigeren Preis.

 

 

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